Gemeindebrief

 

Zur Besinnung

Von der Macht der Ohnmacht

Als die Kirche in der kleinen Stadt nahe dem Nordseestrand renoviert wurde, ergab es sich, dass die Bauar­beiter dem Pfarrer mitteilten, sie müssten das Kreuz für einen Tag aus dem Kirchenraum entfernen. Der Pfarrer gab die Erlaubnis, und so wurde an einem strahlend schönen Morgen das meterhohe Holzkreuz mit dem gekrümmten Körper des Gekreuzigten auf den Vorplatz der Kirche gelegt. Die Wirkung war verblüffend. Entsetzte Passanten schlugen einen weiten Bogen um das Kreuz. Bürger beschwer­ten sich beim Pfarrer über die Zumu­tung dieses Anblicks. Kinder kreisch­ten, und die Zeitung schickte einen Fotografen, um über den Skandal in der Stadt zu berichten. Das Kreuz war aus dem heiligen Rahmen genommen, und zum ersten Mal war den Menschen bewusst geworden, welch brutales Sym­bol den Altarraum ihrer Kirche zierte.

Eltern klagen heute wegen der Unzumutbarkeit des Anblicks eines Kreuzes im Schulzimmer. Frauen for­dern die Überwindung dieses Symbols der Unterdrückung und der Grausam­keit. Psychologen glauben, in dem Kreuz, dem Folterinstrument der Römer, eine Ursache für die blutige Geschichte des Christentums zu erken­nen.

Die Geschichte der Kunst birst von Darstellungen des Kreuzes und des Gekreuzigten: Je nach Epoche wird der Schmerzensmann oder Erhöhte darge­stellt, der Christus, der am Kreuz ver­zweifelt stöhnt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" und der sozusagen göttlich-schmerz­freie, der umgeben von den Wehklagen seiner Jünger und von den Schmerzensschreien seiner Leidensgenossen spricht: Es ist vollbracht.

Allen Darstellungen des Gekreuzig­ten scheint jedoch eines gemeinsam: die Würde des Opfers. Während die Fol­terknechte mit verzerrten Gesichtern auf den leidenden Jesus einpeitschen, während die Soldaten den blutenden Mann mit dem Kreuz auf dem Rücken durch die Stadt treiben, während die Kriegsknechte grob scherzend um sein Gewand würfeln, zeichnet sich im Gesicht des Leidenden die uneinholbare Würde dessen ab, der nicht hasst. Die Gesichter der Täter, die in der Gewalt und im überlegenen Macht­rausch über den Wehrlosen unterge­hen, sie verlieren das Menschsein. Das Opfer bleibt Mensch.

Das ist die Botschaft vom Kreuz. Es birgt die tausendfältigen Erfah­rungen, die die frühen Christen in der Verfolgung machten: Sie wurden Opfer einer willkürlichen Politik auf der Suche nach Sündenböcken, und sie spürten, wie ihnen im Martyrium die Macht einer Schuldlosigkeit ohne Hass zuwuchs.

Es war diese geheimnisvolle Macht der Ohnmächtigen, die den römischen Kaiser Konstantin schließlich ahnen ließ, dass das Kreuz das Markenzeichen sein würde, unter dem er siegen würde.

Erst durch die prägende Erfahrung, Opfer zu sein, wurde das Zeichen der Schande zum Zeichen der Würde.

Es ist dies ein klassisches Muster christlichen Denkens geworden: die Umkehrung von oben und unten, von abstoßend und schön, von Schein und Sein. Die Erkenntnis, dass der Skandal, das Ekelhafte, Angstbesetzte überwun­den werden kann und dann schließlich zur Quelle der Kraft wird. Der Mensch wird erst dann ganz Mensch, wenn er das Dunkle integriert, wenn er das Angstbesetzte anschauen lernt.

Der Dichter und Geistliche Paul Gerhardt hat das berühmteste Passionslied der Welt geschrieben: „0 Haupt voll Blut und Wunden". Er beschreibt in diesem Lied eine letzt­gültige Beziehungsgeschichte: Der Gekreuzigte wird ein Teil meiner inne­ren Bilder und verwandelt sich durch das Leiden hindurch in eine unüberwindbare Kraft:

„Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir. Wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür. Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten, kraft deiner Angst und Pein."


Ihr Pfarrer Rolf Gorny

Kirchenbus fährt nur noch nach Anmeldung

Der Kirchenbus - fährt ab Juni nicht mehr regelmäßig.

Der Kirchenvorstand hat in seiner Aprilsitzung beschlossen, dass der sonntägliche Fahrdienst eingestellt wird.
Der Grund dafür ist einfach: der Bus fährt meistens leer zurück!
Nach wie vor möchten wir unser Angebot für ältere Gemeindeglieder aufrecht erhalten: wer zum Gottesdienst abgeholt
werden möchte, gibt bitte im Pfarramt bis Freitagnachmittag, spätestens 15.30 Uhr, Bescheid: wir holen Sie dann ab!
Allen Busfahrern, die teilweise über viele Jahre hinweg den Kirchenbus gefahren haben, an dieser Stelle noch einmal ein
herzliches „Dankeschön"!

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